AZ-Kommentar
Fleischindustrie: Unter aller Sau?
19. Mai 2020, 19:01 Uhr aktualisiert am 19. Mai 2020, 19:01 Uhr
Der Politik-Vize Clemens Hagen kommentiert zur Debatte über die Fleischerzeugung.
"Fleischesser sind die lebenden Gräber ermordeter Tiere." Das hat der große russische Schriftsteller und Vegetarier Leo Tolstoi geschrieben - und seine Familie dafür gehasst, dass sie es ihm nicht gleichtun wollte. Muss man so radikal sein? Ist Fleisch wirklich unter aller Sau? Nein, ist es nicht! Zumindest nicht zwangsläufig. Was es aber braucht, ist ein Umdenken bei den Konsumenten. Beim Fleischverzehr steht weniger (Quantität) tatsächlich für mehr (Qualität).
Zugegeben, das ist keine ganz neue Erkenntnis, aber die Corona-Krise macht ein Umdenken bei diesem Thema dringlich. Denn neben dem Tierwohl geht es auch ums Menschwohl. Den südosteuropäischen Leiharbeitern in den Schlachtbetrieben - tatsächlich arme Schweine - stehen menschenwürdige und vor allem sichere Unterkünfte mindestens ebenso zu wie den Tieren ein artgerechtes Leben. Und Sterben.