Rubrik der Redaktion Freistunde

Alle Teile unserer Kolumne Freischnauze

Frei der Schnauze nach. Das ist das Motto unserer Kolumne Freischnauze. Das können Anekdoten aus dem Alltag ein, Fundstücke aus der Freistunde, Geschichten mit Gefühl oder Texte voller Thesen. Jede Woche anders und neu.


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Freischnauze ist die wöchentliche Kolumne der Redaktion Freistunde.

Von Redaktion Freistunde

Teil 27 von Florian Wende (12. Juli 2024)

Kalter Kaffee

Ich verrate an dieser Stelle mal ein Geheimnis: Kaffee, dieses herrlich schwarze Gebräu, ist das Lebenselixier aller Redakteure. Habe ich auch nicht geglaubt. Aber schwups, seit Ende der Ausbildung trinke ich meine zwei bis drei Tassen davon täglich.

Ein Problem habe ich aber mit Kaffee. Bei Temperaturen irgendwo zwischen Tropenurlaub und Sauna brauche ich alles, aber kein heiß gekochtes Koffein. Wie schön, dass es auch kalten Kaffee gibt.

Nein, damit meine ich nicht eine alte, schon bekannte Geschichte. Diese, die ich hier tippe, ist brühheiß. Aber mein Kaffee, den ich dabei trinke, zum Glück eiskalt.

Ich hab für diesen sogar extra ein Gerät bestellt. Einen Standmixer. Der zerkleinert Eiswürfel. Und wer zu diesen kalten Espresso und Milch gibt, erhält nach 30 Sekunden in der Wundermaschine einen herrlich geeisten Cappuccino. Und wird womöglich sogar schön. Denn dafür sorgt ja kalter Kaffee bekanntlich auch.

Ein Funfact zum Schluss: Schon gewusst, woher die Redewendung um die Schönheit stammt? Wohl aus dem Barock. Da sahen Adelige aus, als hätten sie in Mehl gebadet: Sie kleisterten sich mit Freude eine dicke Schicht weißen Puders ins Gesicht. Problem: Die Kosmetika waren noch nicht so ausgereift, so konnte heißer Kaffeedampf das Gepinsel schnell zerstören.

Deshalb tranken die Von und Zus in der Öffentlichkeit bald nur noch kalten Kaffee. Wie ich. Wobei ich das natürlich nicht aus diesem Grund tue, denn Anpinseln, das habe ich doch gar nicht nötig. Hoffe ich.

Teil 26 von Kerstin Bauer (5. Juli 2024)

Ungewolltes Grün

Letztens bin ich mit meinem Freund nach einer Wanderung in einem Wirtshaus eingekehrt. Es gab Steak und Bratkartoffeln für ihn, Schnitzel und Pommes für mich. Zu beiden Gerichten kam ein kleiner Teller Salat an den Tisch.

Allerdings nicht zur Freude meines Partners – mit Grünzeug kann er nur bedingt viel anfangen. „Ich mag eigentlich gar keinen Salat“, grummelt er mir leise zu und ignoriert den Teller erstmal.

Als er sich dann sein Steak und die Bratkartoffeln einverleibt hat und der Endgegner Salat als Nächstes dran wäre, blickt er hoffnungsvoll zu meinem Schnitzel rüber, an dem ich gerade noch esse. „Schaffst du das alleine?“, fragt er. „Weil der Salat wird mir jetzt dann gleich richtig schwer im Magen liegen.“ Und somit könne ich dann nicht mehr mit ihm als rettender Aufesser meines Schnitzels rechnen.

Ich muss lachen. Der kleine Teller Salat und nicht das große Steak und die Bratkartoffeln liegen ihm also gleich richtig schwer im Magen.

Ja, ich schaffe mein Schnitzel allein. Unmotiviert fängt er an, seinen Salat zu essen. Irgendwie muss er ja weiter. Und ich lindere sein Leid, indem ich ihm beim Aufessen helfe. Wenn es hart auf hart kommt, muss man halt zusammenhalten.

Teil 25 von Manuel Bogner (28. Juni 2024)

Der Karaoke-Killer

Ich geb’s ja zu: Ich bin ein Autogröler. Ein motorisiertes Gesangstalent. Der Erfinder von „Mein Hyundai sucht den Superstar“. Denn kommt das passende Lied im Radio und sitze ich alleine (oder mit den richtigen Leuten) im Auto, hole ich mein schiefes Goldkehlchen raus.

Kein einziger Ton getroffen, aber dafür mit viel Emotion gesungen – das muss doch auch für irgendwas zählen. Mein ehemaliger Musiklehrer würde beim Zuhören wahrscheinlich Tonfolgen finden, an die zuvor kein Komponist gedacht hat. Ich glaube, das nennt man dann „Avantgarde“.

Es gibt nur ein Problem: die Zensur. Wenn ich zum Beispiel bei „Vampire“ von Olivia Rodrigo mitsingen will, ersetzt die Radioversion das Wort „Famef****r“ durch „Dreamcrusher“. Das hat einfach nicht denselben Kick und ruiniert den besten Moment des Songs. Dass ich dann aus Sturheit gegen Olivia ansingen muss, gefällt mir auch nicht.

Der gemeinste Kandidat ist jedoch „abcdefu“ von Gayle. Wer der englischen Sprache mächtig ist, weiß, wofür die letzten beiden Buchstaben des Titels stehen. Und jeder, der die unzensierte Version kennt, weiß zudem, wie wichtig und zentral diese beiden Worte für den Text des Songs sind. Dann kann man das Lied auch einfach ganz weglassen.

Also damit: Ein herzliches „F*** y**“ an die Zensur! 

Teil 24 von Florian Wende (21. Juni 2024)

Kein Sommermärchen

Die EM 2024 wird kein Sommermärchen. Soll sie auch nicht. Und das ist gut so. Kurze Rückblende: WM 2006, die Welt zu Gast in Deutschland. Das Wetter schön, die Biergärten voll, die deutsche Elf überraschend gut. Am Ende Platz drei. Warum also das Ganze nicht wiederholen?

Um das mal klarzustellen: Ich bin kein Pessimist. Ich würde mich freuen, wenn’s für Musiala, Müller und Mittelstädt mindestens bis ins Halbfinale geht. Aber diese Vergleiche mit dem Turnier 2006 nerven. Denn allein die Zeitspanne zeigt: Lange ist’s her. Wer damals während der WM zur Welt kam, feiert in diesen Tagen seinen 18. Geburtstag.

Und dennoch hört man zurzeit überall: „Mei, wenn’s doch so wie 2006 wird.“ Wobei meist gleich folgt: „Aber so toll kann es ja niemals wieder werden!“ Klar, es sind andere Zeiten: Das Land wirkt zurzeit mutlos, miesepetrig und zerrissen.

Deshalb umso deutlicher: Weg mit den hinkenden Vergleichen! Optimistisch nach vorne blicken, statt nostalgisch in verblassenden Erinnerungen schwelgen. Die EM hat es verdient, ihre eigene Geschichte schreiben zu dürfen. Und nicht als Abklatsch von 2006 in die Geschichte einzugehen. Sie soll uns im besten Fall eine Auszeit von den vielen Problemen im Land und der Welt schenken.

Also: Freuen wir uns auf das, was kommt. Mit dem Sieg gegen Ungarn ist das Achtelfinale gebucht. Ab da kann alles passieren.

Teil 23 von Sebastian Geiger (14. Juni 2024)

Hungrige Linsen

Neulich war ich beim Optiker, um mir Kontaktlinsen anpassen zu lassen. Warum? Das ist eine lange Geschichte. Kurzfassung: Eitelkeit. Ich trage also die Linsen, der Optiker testet und alles sieht gut aus. Ich kann mit Kontaktlinsen anscheinend sogar besser sehen als mit Brille – juhuu! Aber wie heißt es so schön: Alles vor dem aber zählt nicht und natürlich kommt ein aber. „Aber ihre Kontaktlinsen sitzen so fest, dass keine Tränenflüssigkeit darunter gelangen kann und sie sich in die Hornhaut fressen könnten.“

Bitte was?!? Vor meinem geistigen Auge blitzen unheimliche Bilder von gierigen, mit scharfen Zähnen bewaffneten Linsen auf, die erbarmungslos in die zarte Hornhaut meiner Augen beißen, auf den herausgerissenen Fetzen herumkauen und mein Auge in ein Festmahl verwandeln!

„Ja, nein“, beruhigt der Optiker. „Für kurze Zeit ist das nicht schlimm, die Kanten der Linse sind nur so scharf, dass sie ins Auge schneiden könnten.“

Bitte was?!? Nicht nur, dass die Linse meine Hornhaut essen will, jetzt erfahre ich auch noch, dass ihre Kanten so rasiermesserscharf sind, dass sie mir ins Auge schneiden können? Bluttriefend sehe ich meine Pupille schon aus ihrer Verankerung herausfallen und mich erblinden!

Ich weiß nicht, wie viel der Optiker von meinem mentalen Panikanfall mitbekommen hat und dem rationalen Teil von mir ist auch klar, dass ich mit meinem Kopfkino maßlos übertreibe. Und, es gibt Hoffnung: Der Optiker bestellt Kontaktlinsen, unter die dann auch die Tränenflüssigkeit gelangen sollte. „Die aktuellen tun wir jetzt am besten heraus“, sagt er. „Kann nur sein, dass sie jetzt festkleben.“

Bitte was?!?

Teil 22 von Isabella Rutherford (7. Juni 2024)

Spinnen in der Schuhschachtel

„Jetzt spinn’ halt nicht so rum!“ Das hab’ ich heute erst wieder gehört. Was ist das überhaupt für ein Wort: spinnen. Seh’ ich aus wie eine Tarantel? Jetzt langt’s, habe ich mir gesagt.

Ständig muss man irgendwie sein in dieser komischen Gesellschaft und sich in eine Schuhschachtel voller Normen und Regeln quetschen: Man springt nicht wild durch die Gegend und gackert. Wenn man lachen muss, muss es immer angemessen laut sein und bei einem Konzert ist das Höchste der Begeisterung ein Wippen mit dem Fuß.

Nein, nein, nein! Ich bin – vermaledeit nochmal – ein Individuum und will so sein, wie ich das bin: spinnert.

Das heißt, ich hüpfe durch die Gegend und gackere lauthals, wenn ich das will. Und ich lache ... da ist das Delfingeräusch von Flipper ein Vogelexkrement dagegen! Und bei einem abgefahrenen Konzert tanz’ ich mir den Hintern ab und singe laut mit, egal, was andere von mir halten. Und ja, ich benutze das Wort „vermaledeit“. Weil ich es cool finde. Punkt.

Ich kann gar nicht mehr an einer Hand abzählen, wie oft über mich gesagt wurde: „Die spinnt doch!“ Stolz, mit meinem imaginären Superman-„S“ auf der Brust, stelle ich mich hin und sage: Ja! Ich spinne!

In einer Schuhschachtel-Gesellschaft, in der man ständig so sein muss wie andere, ist es doch erfrischend, mal anzuecken. Man muss ja nicht immer den Mega-Rebellen markieren, aber eben einfach mal echt sein. Würde schon genügen, um in die dämliche Schuhschachtel Löcher zu hauen. Zum freien Atmen. Vielleicht gucken da dann auch mal andere durch und bekommen mit, wie’s draußen aussieht. Und vielleicht gackert man beim nächsten Mal nicht mehr alleine.

Bis dahin braucht es die Mutigen, die Out-of-the-box-Denker, die Gackerer dieser Gesellschaft. Uns. Die Spinnerten. In diesem Sinne: Spinn’ doch, wie du willst!

Teil 21 von Kerstin Bauer (30. Mai 2024)

Manchmal ist weniger mehr

Als ich klein war, gab es zum Geburtstag Marmorkuchen mit Smarties drauf. Und ich war glücklich. Heute haben Kindergeburtstage andere Dimensionen: Schon Wochen vorher laufen die Vorbereitungen, denn ein teurer Mottokuchen, zum Beispiel in Form eines Piratenschiffs, riesige Luftballongirlanden und mehr müssen organisiert werden. Oft ist das Geburtstagskind noch so jung, dass es den Riesenaufwand eh nicht versteht. Wäre es nicht stressfreier, die Freude wieder mehr in den kleinen Dingen zu finden? Früher war nicht alles besser, aber teils entspannter.

Teil 20 von Manuel Bogner (24. Mai 2024)

Krabbelnde Kräfte

Jeder Superheld braucht eine gute Anfangsgeschichte. Captain America ist ein Supersoldat aus dem Zweiten Weltkrieg, Hulk hat zu viel Gamma-Strahlung abbekommen und Spider-Man wurde bei einem Schulausflug von einer radioaktiven Spinne gebissen. Sowas passiert nicht im echten Leben, dachte ich zumindest. Doch eventuell habe ich letztens meine Chance verpasst.

Ich wollte gerade mein Fahrrad nach Feierabend entsperren, als zwei kleine Buben lauthals grölend aus einem Klamottenladen kamen. Einer der Jungs blieb plötzlich vor mir stehen und schaute mich mit leuchtenden Augen an. „Peter Parker!“, schrie er 200-mal, während ich ihn einfach nur irritiert anstarrte. Dann zog er weiter. Seltsam.

Als ich ein paar Minuten später mein Fahrrad im Keller abstellen wollte, ging mir der Junge nicht aus dem Kopf. Ja, ich arbeite wie Spider-Man/Peter Parker auch bei einer Zeitung. Und wenn man beide Augen ganz fest zukneift, bis man fast nichts mehr sieht, sehe ich vielleicht einem Spinnenmann-Schauspieler ähnlich. Aber trotzdem: Unsinn.

Kurz fühlte ich mich geschmeichelt, dass man mich mit einem attraktiven Superstar wie Tom Holland oder Andrew Garfield verwechseln könnte, doch dann: halber Herzinfarkt. An der Kellerwand saß die fetteste Spinne, die ich je gesehen habe. Dicker Körper, haarige Beine – eine Kreatur, die von allen Göttern verlassen wurde. Vorsichtig schlich ich an ihr vorbei und stürmte, so schnell es ging, aus dem Keller.

Doch fast bereute ich die Entscheidung. Was, wenn das die radioaktive Spinne war, die mir mit einem Biss Superkräfte geben sollte? Ich war kurz davor noch einmal runter in den Keller zu schauen. Doch das grässliche Viech hielt mich davon ab. Wo ist der Geigerzähler, wenn man ihn braucht?

Teil 19 von Sebastian Geiger (17. Mai 2024)

Die Farbe der Saison

Mein Interesse am Thema Mode würde ich als „laienhaft“ verschlagworten: Manchmal ist es ganz schick, sich damit zu befassen, aber was jetzt der Unterschied zwischen einem Kent-Kragen und einem Haifischkragen beim Hemd ist, könnte ich beim besten Willen nicht sagen.
Sprich, spätestens wenn es um die Farben der Saison geht, lächle ich, nicke und frage mich insgeheim, woher die Kollegen von der Moderedaktion die Insiderinfos haben.

Wer kommt auf die Idee, Hemden in Limettengrün zu färben? Sind die Farbstoffe in der neongelben Badehose genauso giftig, wie es den Anschein hat? Und warum ist der Unterschied zwischen Pink, Rosé und Lachsfarben deutlich genug, dass man sich neue Klamotten kaufen muss, aber doch so undeutlich, dass er auf Fotos nie auffällt?

Aktuell habe ich aber auch etwas zu dem Thema zu sagen. Meine Farbe der Saison ist nämlich Minzgrün! Das hat mit einem lieben Leser der Freistunde zu tun, der auf die schönste Weise auf meine vergangene Kolumne reagiert hat, wie es nur möglich ist. Darin habe ich mich ja über meine Radprobleme beklagt – und er hat mir aus der Patsche geholfen. Sein altes – und mein neues – Rad hat 21 Gänge, ist supergut in Schuss, flitzt wie eine Eins und … es ist minzgrün!

Da fühlt sich das Fahren durch die Straßen so frisch an wie eine Meeresbrise, die direkt ins Gesicht weht, und die neidischen Blicke der Autofahrer und Fußgänger sind mir sicher. Keine Ahnung, was Glamour, Vogue und Co dazu sagen, aber für mich ist das eindeutig die Farbe der Saison.

Teil 18 von Florian Wende (3. Mai 2024)

Die neuen alten

Die weißen Kanten: eher grau-schwarz. Die Sohle: durchgelatscht. Die schwarzen Seiten: fleckig und speckig. Zugegeben, meine Vans waren in keinem guten Zustand. Aber: Es sind Vans. Und die müssen genau diesen abgerockten Look haben, um echte Vans zu sein. Sehe ich zumindest so.

Als nun aber vorne am Übergang von der Sohle zum Stoff ein kleines Loch mit jedem An- und Ausziehen immer größer wurde, war klar: Das war’s. Vans over. Neue alte müssen her. Neue Old Skool.


Das Modell ist das bekannteste der Marke – und noch dazu das erste. Old Skools sind fast unzerstörbar und sehen umso besser aus, je mehr Kilometer sie auf der Sohle haben.

Mein Schuhtacho steht nun aber wieder bei null. Grellweiß blenden mich die weißen Kanten meiner neuen Vans. Das Schnüren hat doppelt so lange gedauert, weil die Schuhe meinen Fuß noch nicht kennen. Und die Fersen drücken nach kurzer Zeit, weil der Stoff der neuen so unflexibel ist. Ob meine alten nicht doch zu retten sind?

Teil 17 von Isabella Pirkl (26. April 2024)

Bescheidene Aussichten

Morgens. Mein Wecker klingelt mit einem Gedröhne, dass es mich aus dem Bett hebt. Ich will das Gebimmel ausschalten. Geht nicht. Mein Handy hat einen Hänger – nicht nur selbst, sondern es hängt auch am Ladekabel. Mittlerweile hat mein Handy von „Klingeling“ auf „Tututuuuuut“ umgestellt und schreit mich an, ich solle endlich diese dämliche Taste drücken.

Dann fällt mir erst auf, dass hier was komisch riecht. Mein Handy fühlt sich heiß an. Und irgendwie ... fett. Durch meine morgendliche Hirnvernebelung blicke ich auf das Gerät. Es sieht gar nicht mehr aus wie ein Smartphone. Eher wie eine kleine, aber stetig wachsende Kugel.

Sch...e. Der Akku hat sich aufgebläht und will irgendwie nicht damit aufhören. Das „Tututuuuuut“ wechselt in ein hohes Fiepen mit mindestens genauso grässlichen Nebentönen.

Dem nächtlichen Frieden weicht Panik. Mehr mechanisch als logisch-denkend renne ich in die Küche, breche das kleine Schiebefenster am Handy auf, ziehe es samt SIM-Karte raus. Ins Wohnzimmer, Balkontür auf. Das Smartphone zerbirst mit einem Knall mitten im Hof. Was für ein Tag. Die SIM-Karte wandert in ein altes Handy.

Mittagspause. Mein Chef kommt von der seinen wieder und blickt auf sein Wetterradar am Handy: „Gleich geht‘s los.“ Ich blicke durch das Fenster in den Himmel. Es ist Nachmittag – und fast dunkel draußen. Na toll. Meine Jacke vom Stuhl reißend, verabschiede ich mich mit den Worten „Vielleicht schaffe ich es noch, bevor es richtig loslegt“ in die Pause.

Ich habe es nicht geschafft. Der Kaffeestand ist nur etwa 30 Meter entfernt, dennoch hat der Regen es geschafft, mich bis auf die Unterwäsche zu durchnässen. Triefend und mit einem Blick, der mindestens so dunkel wie der Himmel ist, stehe ich später wieder im Büro.

Nach der Arbeit zuhause: nasse Klamotten aus, Decke an, Bett. Mein altes neues Handy lädt. Aus Sicherheitsgründen in einer Metallkiste. Draußen, auf dem Fensterbrett. Mit meinem Glück regnet es.

Teil 16 von Manuel Bogner (19. April 2024)

Massenmenschhaltung

Zwölf Stunden Fahrt, sechs Sitzplätze, eine enge Kabine: Das haben meine Freunde und ich uns letztens im Nachtzug auf dem Weg nach Amsterdam angetan. Das Fenster klemmte, die Toiletten waren geflutet (hoffentlich nur mit Wasser) und wir hatten auch noch zwei Stunden Verspätung (die bucht man ja bei der Bahn automatisch mit).

Das größte Problem war jedoch der Kumpel, der mir gegenüber saß und im Schlaf vom Geist eines alten Karatemeisters besessen wurde. Als wäre meine Kniescheibe plötzlich eine Zielscheibe, trat er gegen mich. Ich frage mich bis heute, ob er im Schlaf „Street Fighter“ spielte und immer nur die gleiche Attacke nutzte. Aua.

Teil 15 von Sebastian Geiger (12. April 2024)

Radlos ratlos

„Ne, da können wir nix mehr machen“, sagt der gelangweilt wirkende Fahrradhändler und betrachtet mitleidig mein Rad, das mir gute Dienste geleistet hat. Zumindest, als ich es das letzte Mal gefahren bin, so vor zwei, nein, drei – ach, irgendwann so um die Pandemie herum.

Und da ich jetzt gerade Zeit und Lust auf Radfahren hatte, dachte ich mir: „Bring deinen Drahtesel doch mal zum Aufhübschen, dann kannst du ihn auch wieder fahren. So teuer wird das schon nicht.“ Wurde es auch nicht, weil der Rahmen verzogen war. Rad reif für den Schrottplatz, ich zum Radhändler: „Können Sie es entsorgen?“ Noch mitleidigerer Blick.

Sprich, ich bin gerade radlos, was sich auf jeden Fall ändern muss. Nur – wann genau sind Räder so teuer geworden? Liebe Zweiradwirtschaft, ich möchte mit dem Radl fahren. Das geht auch ohne Rückspiegel, Servolenkung und Bluetooth-Anschluss. Einen intakten Rahmen sollte es haben, das wäre nett ...

Teil 14 von Kerstin Bauer (5. April 2024)

Om ...

Kennst du auch dieses unangenehme, aggressiv machende Gefühl, das von der Magengegend hochsteigt, wenn zum Beispiel Fußgänger viel zu langsam vor einem gehen und man nicht überholen kann? Oder wenn im Dorf jemand mit 35 Stundenkilometern vor einem fährt? Oder wenn die Schlange an der Supermarktkasse lang ist und die Kassiererin echt gemütlich arbeitet?

Das Gefühl von Ungeduld kennt wohl jeder. Die Psychologie sagt darüber: Wir fühlen uns in solchen Momenten von jemand anderem abhängig, der gerade scheinbar unser Weiterkommen behindert. Denn für Ungeduldige ist jede tatenlose Minute nur schwer zu ertragen. Was hilft? Tief durchatmen, die Situation akzeptieren und versuchen, den selbst gemachten Stress loslassen. Denn Stress ist ungesund.

Ich werde das später in der Supermarkt-Schlange gleich mal üben … Om!

Teil 13 von Florian Wende (28. März 2024)

Die unendliche Postkarte

Die Wege der Post sind unergründlich. Wer schon einmal ewig auf einen Brief oder ein Paket gewartet hat, kann das bestätigen. Wobei „ewig“ ein dehnbarer Begriff ist. Mein „ewig“ sind 186 Tage.

Von vorne: Auf Reisen schreibe ich gerne eine Postkarte an die Eltern daheim. Das hat Tradition und es ist oft spannend, zu sehen, wer eher daheim ist: die Karte oder ich. Doch selten war der Unterschied so groß wie dieses Mal, nämlich ein halbes Jahr. Mein Urlaubsziel: Namibia.

Klar, es ist ein weiter Weg vom Süden Afrikas in die Heimat, Luftlinie rund 8.000 Kilometer. Aber so weit ist die Strecke nun auch nicht, dass die Post vom Aufgabedatum, dem 22. September 2023, bis zu diesem Dienstag, dem 26. März 2024, braucht, bis die Karte im niederbayerischen Postkasten landet. Nämlich ganze 186 Tage.

Zum Vergleich: Laut Google Maps schafft man die Strecke von Namibia nach Deutschland zu Fuß in der Hälfte der Zeit – allerdings ohne Pause.

Teil 12 von Isabella Pirkl (22. März 2024)

Das spielt sehr wohl eine Rolle

Es gibt zwei Arten von Menschen: die einen, die man nie wertschätzt für das, was sie tun. Und die anderen, die einem morgens am Klo schon den Tag versauen.

Nichtsahnend und guter Dinge gehe ich in den Vorraum, öffne die Kabinentür, schließe sie hinter mir ab, Hose runter, ich setze mich auf die Schüssel – und da sehe ich es: Die Rolle hängt verkehrt rum.

Sie zeigt zur Wand, unverfroren, hält einem quasi den blanken Hintern ins Gesicht. Ich meine: Was soll denn das? Ein Streich von Bart Simpson hat mehr Niveau als das.

Das ist ja auch eine Frage der Hygiene: Wenn der Papieranriss Richtung Wand zeigt und man sich einige Blättchen stibitzen und an seine intimen Privatgemächer des Körpers führen möchte, um diese dementsprechend sauber zu halten …, dann schleift jeder dazu nutzbare Streifen erst einmal an dem faserigen, unförmig verputzten Gemäuer mit den seltsamen dunklen Flecken entlang, von denen seit Bau des gesamten Gebäudes niemand weiß, woher sie stammen.

Meine Mutter hat immer gesagt: Mit einem Lappen, mit dem man das Klo geputzt hat, wischt man ja auch nicht das Geschirr. Recht hat sie.

Mein Dank geht an sie und an alle, die wissen, eine Klopapierrolle richtig aufzuhängen. Ihr werdet weitaus nicht genug wertgeschätzt. Denn ihr seid diejenigen, die anderen den Tag retten.

Teil 11 von Manuel Bogner (15. März 2024)

Watashi o tasukete kudasai

(Bitte helfen Sie mir)

Jede Nacht, wenn ich eine Eule vor meinem Fenster höre, zucke ich zusammen und fange an zu schwitzen. Ich habe Strigiformophobie entwickelt – die Angst vor Eulen und ähnlichem Federviech. Und schuld ist eine kleine, harmlose App auf meinem Handy.

Alles begann Anfang des Jahres mit meiner Liste an guten Vorsätzen. Darunter ein Punkt, der mich seit Jahren verfolgt: Japanisch lernen. Keine Ahnung, wieso mein zehnjähriges Ich sich mal darauf eingeschossen hat. Verflucht sei es. Aber was muss, das muss.

Also holte ich mir brav die Sprachlernapp „Uhulingo“ (Name von der Redaktion geändert, um Schleichwerbung zu vermeiden). Und fing an, halbwegs fleißig das japanische Alphabet durchzugehen.

Seitdem verfolgen mich jedoch Panikattacken: Auf meinem Handybildschirm thront in einem Fenster das grüne Maskottchen der App. Drohend starrt die Eule mich aus dem Widget an, bittet und bettelt um Aufmerksamkeit. Alles, damit ich nicht vergesse, zu üben.

Am Morgen ein nettes und einladendes Lächeln. Mittags ein flehender oder skeptischer Blick von der Seite. Und sollte ich abends noch nicht geübt haben, erschrecken mich rote, wütende Augen. Mich würde es nicht wundern, sollte mir die Motivationseule bald eine Pistole an den Kopf halten, damit ich die nächste Übungs-Session nicht vergesse.

Sonderlich weit bin ich noch nicht mit meinem Japanisch-Kurs. Aber ein Wort habe ich gelernt: Shi no Kyōfu. Todesangst.

Teil 10 von Kerstin Bauer (8. März 2024)

Kulinarische Vergessenheiten

Gibt es bei dir auch ein Gericht oder Getränk, das du früher geliebt hast, aber dir irgendwie schon ewig nicht mehr gemacht hast? Einfach, weil du es über die Jahre total vergessen hast?

Letztens hat mir meine Cousine selbst gemachte Bananenmilch angeboten. Seitdem bin ich wieder Fan und Bananen liegen stets einsatzbereit bei mir daheim. Wie lecker schmeckt bitte die schaumig gemixte Milch zusammen mit reifen, süßen Bananen?!

Und da fällt mir gleich noch was ein: Sandwich-Toasts! Hatte früher nicht fast jeder einen Sandwichmaker zuhause? Gefühlt haben wir uns einmal pro Woche die knusprigen Toasts mit Schinken und geschmolzenem Käse gemacht. Und dann noch schön in Ketchup getaucht. Mmmh!

Fällt dir vielleicht auch etwas ein, das man wieder öfters machen könnte? Dann schreib uns gern eine Mail an kontakt@freistunde.de

Teil 9 von Isabella Pirkl (1. März 2024)

Haarige Ungelegenheit

Da stand ich und hatte ein Gespräch mit meinem Chef. Konzentrieren konnte ich mich nicht, es hat so verdammt gejuckt. Da saß es, fröhlich kitzelnd zwischen dem Gummi meines Bustiers und der Haut genau zwischen meinen Brüsten: ein Haar.

Über Gott und die Welt spricht man: ob Ersterer überhaupt existiert, wer bei „Germany’s Next Topmodel“ rausfliegt, wem Pizza mit Senf schmeckt, wie eigentlich dieser blöde Kaffeeautomat funktioniert ... aber nicht über die eigenen Haare. Zumindest nicht, wenn sie nicht da sind, wo sie hingehören.

Das kann doch nicht nur mein Problem sein! Letztens saß ich auf der Toilette und hab’ mir schon Gedanken gemacht, ob sich eine Ameise in meine Unterhose verlaufen hat. Tatsächlich war es ein knapp 25 Zentimeter langes Kopfhaar, das sich entschlossen hat, mir möglichst peinlich auf den Geist zu gehen. Ja, das ist schon irgendwie eklig. Aber es passiert halt.

Reden will darüber immer keiner. Nein, man steht lieber eine halbe Stunde total verkrampft in der Gegend herum und versucht, mit ständigem Nicken dem Chef sein Verständnis auszudrücken. Auch wenn man sich in Gedanken bereits unter das Oberteil oder in die Hose greift, um sich eeendlich kratzen zu können und das Haar rauszufischen.

An alle Langhaarigen dieser Welt: Steht zu eurer Mähne! Wie schön wäre es gewesen, hätte ich das Gespräch mit meinem Chef unterbrechen können: „Sorry, ich muss echt dringend mal auf die Toilette und mein verlorenes Kopfhaar wieder einfangen!“

Dann wüsste ich vielleicht noch, was er gesagt hat, worüber ich hier eigentlich schreiben soll ...

Teil 8 von Florian Wende (23. Februar 2024)

Wo sind die Krapfen hin?

Fastenzeit. Die einen vermeiden Süßes, die anderen Alkohol. Manche wechseln ihren Vorsatz sogar täglich. Und ich, ich denke an Krapfen. Die faste ich nämlich. Allerdings nicht freiwillig.

Ich bin alles, aber kein Faschingsfan. Was ich an der Zeit jedoch schätze, sind die Unmengen an ausgefallenen Krapfen, die die Bäckereien da im Angebot haben. Denn Marmelade ist an Fasching nur die Standardausführung. Manche Krapfen sind mit Vanillepudding gefüllt, andere mit Eierlikör, einige tragen Schokocreme in sich, etliche Amarena-Soße. Muss ich noch mehr schreiben? Ja, denn wir haben noch nicht übers Topping gesprochen! Überzogen mit Zuckerguss, bestreut mit Kokosflocken, eingetaucht in Schokolade ... okay, auch mir knurrt nun der Magen.

Fastenzeit hin, Krapfen her: Es ist doch wirklich tragisch, dass mit dem Aschermittwoch plötzlich alle Krapfen verschwunden sind. Soll doch jeder fasten, was er möchte. Aber lasst mir bitte die Krapfen in den Bäckereien!

Teil 7 von Elisabeth Brebeck (16. Februar 2024)

Koffer-Qualen

„Ab in den Urlaub, komm, pack’ die Sachen ein“ , heißt es im Refrain des Liedes von Höhner. Für Urlaub bin ich immer zu haben. Beim Packen sieht es da aber leider ganz anders aus. Dabei ist meine Mama der perfekte Urlaubscountdown: „In zwei Tagen sind wir um diese Zeit schon am Flughafen“ oder „In 24 Stunden sind wir schon im Hotel“ begleiten mich die Tage vor der Reise.

Trotz der unermüdlichen Motivation meiner kleinen Schwester und dem Stress, den mir meine Mama macht, kann ich mich beim besten Willen nicht dazu aufraffen, meinen Koffer zu packen. Dabei war ich als Kind die Erste, die viel zu früh eine Packliste erstellt hat. Meine Mama musste mich sogar stoppen, weil ich natürlich einige Dinge noch in der Woche vor der Abfahrt brauchte. Jetzt ist der Gedanke für mich fast unvorstellbar, schon eine Woche vor dem Urlaub nur an das Kofferpacken zu denken, obwohl ich es wirklich versuche.

Ich habe mir sogar angewöhnt, schon zwei Tage vor einer Reise den Koffer leer auf meinem Zimmerboden als kleinen Reminder aufzuklappen. Das führt dann zwar dazu, dass ich mehr als einmal am Tag wortwörtlich darüber stolpere, zum Packen motiviert mich das aber noch lange nicht.

Das Ende des Lieds heißt deshalb noch immer: „Komm pack’ die Sachen ein“. Irgendwann muss ich ja den Koffer packen. Allerdings habe ich mir angewöhnt, dass das „irgendwann“ am Morgen kurz vor Abfahrt ist. Da geht der Erholungsurlaub manchmal recht hektisch los. Könnte man sich den Stress in der Früh sparen? Sicher. Sieht es deshalb nächstes Mal anders aus? Wahrscheinlich nicht ...

Teil 6 von Manuel Bogner (9. Februar 2024)

Die Liebe kostet einen Euro

Letztens stand ich in unserem Pausenraum vor dem Getränkeautomaten und wurde nachdenklich. Ein seltsamer Artikel, den ich an diesem Morgen gelesen hatte, ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Das Thema? Menschen, die Gegenstände geheiratet haben.

Ja, die gibt es. Ein berühmtes Beispiel ist die Frau, die seit 1979 mit der Berliner Mauer verheiratet ist. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung bezeichnet sie ihren Ehemann als die „erotischste und sexieste Mauer, die es je gab“ – was auch immer das heißen soll. Eine Liebesgeschichte wie bei „Titanic“, mit dem Mauerfall als tragischen Höhepunkt.


Weiteres Beispiel: Die Amerikanerin, die den Eiffelturm geheiratet hat. Da hat wohl jemand „Stadt der Liebe“ zu ernst genommen. Auf Dating-Plattformen wird ja auch oft zuerst nach der Körpergröße gefragt. Wenn aber der Eiffelturm der Schönheitsstandard ist – wer kann da mithalten?

Plötzlich hatte auch der Getränkeautomat eine andere Wirkung auf mich. Vertraut, wie ein jahrelanger Partner, der mit einer kühlen Cola an stressigen Arbeitstagen entspannt. Es sind eben die inneren Werte, die zählen. Vielleicht sollte ich ihn am Valentinstag nach einem Date fragen? Ich wäre an dem Mittwoch sowieso im Büro …

Teil 5 von Florian Wende (2. Februar 2024)

Der frühe Vogel fährt Ski

Ich bin ein Morgenmuffel. Früh aufstehen? Nicht mit mir. Die Arbeit als Journalist kommt mir da entgegen. Hier ist die entscheidende Zeit meist der Nachmittag und Abend. In diesen Stunden blühe ich auf. Allerdings liebe ich Skifahren. Und da werde sogar ich zum Frühaufsteher.

Denn mal ehrlich: Gibt es ein schöneres Geräusch als das, wenn sich die Kanten der Ski in den frisch präparierten Schnee eingraben. Dieses chrrrrrr, chrrrr, chrrrrr. Könnte man geschrieben jetzt auch als Schnarchen interpretieren. Ziehe ich aber dem echten Schnarchen definitiv vor. So schön das Ausschlafen an Skitagen auch wäre: Lieber ziehe ich die ersten Schwünge des Tages.

Denn zu diesem Geräusch kommen die traumhaften Bedingungen, die es gleich nach Liftstart gibt. Griffige Piste, noch wenige andere Skifahrer und durch die klare, kalte Luft meist eine super Aussicht.

Könnte ich mit den Ski meinen Arbeitsweg bestreiten: Ich glaube, ich würde dauerhaft zum Frühaufsteher werden.

Teil 4 von Selina Wolf (26. Januar 2024)

Angst vor dem Fußbus

Einen schlechten Beifahrer zu haben, ist schlimm. Selbst einer zu sein, ist die Hölle. Ständig muss ich mehr auf den Verkehr achten als der Fahrer und meine Stimme wird kratzig vom „AAACHTUNG“ schreien. Ich glaube, ich sollte mir Lutschbonbons ins Auto legen.

Zudem komme ich an dem gewünschten Zielort nicht nur komplett zerrupft und schwitzend an, sondern muss mich mit einem genervten Fahrer herumschlagen. Der droht alle fünf Minuten damit, mich an Ort und Stelle rauszuschmeißen. Auch die Rückfahrten sind nicht garantiert. Argumente wie „Das sind aber über zehn Kilometer“ werden einfach nur mit dem Kommentar „Der Fußbus fährt immer“ entkräftet. Allerdings ist mein Orientierungssinn schwächer ausgeprägt als die Nase von Lord Voldemort.

Denn Himmelsrichtungen sind überbewertet. Google Maps und ich dafür beste Freunde, selbst auf dem Weg zum Zahnarzt. Zum Glück sehen das auch die wütenden Fahrer ein und ich darf mit der Drohung „Noch ein Kommentar zu meinem Fahrstil und du gehst zu Fuß“ wieder mitfahren.

Die Rückfahrten sind deshalb von Stille geprägt. Allerdings ist mir das viel lieber, als mich ständig mit Blick auf Google Maps durch den Straßendschungel schlagen zu müssen. Vielleicht sollte ich, um solche Situationen künftig zu vermeiden, mir einfach mal den Mund mit Klebeband zupappen, wenn ich wieder auf der Beifahrerseite einsteige.

Teil 3 von Kerstin Bauer (19. Januar 2024)

Verfressener Wauki

Unsere Hündin hat eine große Leidenschaft: betteln. Wird gekocht, behält sie die Lage aus kurzer Distanz genau im Blick. Wird gegessen, steht sie unter dem Tisch bereit, um Heruntergefallenes sofort wie ein Staubsauger aufzusaugen. Kürzlich freute sie sich so zum Beispiel über ein kleines Festmahl, zwei kleine Würstl-Zipfel, die meiner Gabel entglitten.

Meine Eltern finden das Betteln manchmal ziemlich nervig. Aber ganz ehrlich: Ich wäre als Hund wahrscheinlich auch nicht anders. Denn Essen macht einfach glücklich. Und wenn es einfach so vom Himmel/Teller fällt, umso mehr.

Teil 2 von Manuel Bogner (12. Januar 2024)

Das Internet ist Altland

Journalisten sind Totengräber: Denn in so mancher Recherche stoßen wir auf Webseiten, die teils älter sind als wir selbst, und wohl seit Ewigkeiten von niemandem besucht wurden. Seitdem habe ich mit ein paar anderen Kollegen einen Wettbewerb gestartet, wer die hässlichste und älteste Website finden kann.

Hier ein paar Favoriten:

  • Die Website einer Achterbahn, die so bunt und überladen ist, dass eine Epilepsie-Warnung angebracht wäre.
  • Knallgelbe Konzertblogs, die unabhängig voneinander erstellt wurden, aber genau denselben erblindenden Gelbton verwenden.
  • Den Blog eines durchgedrehten Querdenkers mit Tausenden Seiten hirnlosen Geschwurbels. Die Website besteht zu 90 Prozent aus unformatiertem Text und Hyperlinks, die ins Nichts führen.
  • Eine Website aus den Geburtszeiten des Internets, auf der die Geschichte des Erfinders des Strandkorbs erzählt wird.
  • Und last, but not least: die Website eines Verlags. Weißer Text auf schwarzem Hintergrund. Zwischen den Zeilen sind einzelne Pixel, die wohl Sterne darstellen sollen. In den Ecken sind große GIFs von sich drehenden Weltkugeln, die den Besucher beim Runterscrollen verfolgen und – wie sollte es auch sonst sein – immer wieder wichtigen Text blockieren.

Einst hieß es: Das Internet ist Neuland. Ich finde, dass das Ding dann doch schon ziemlich alt ist. Wie viele Schätze an grauenhaftem Web-Design wohl noch in den Tiefen des WWWs liegen?

Teil 1 von Florian Wende (4. Januar 2024)

Bis einer schmunzelt

Mit Humor ist es ja so eine Sache. Jeder lacht zwar gerne – chronische Miesepeter mal ausgenommen –, aber jeder über etwas anderes. Wo der eine den eigenen Witz kaum zu Ende erzählen kann, weil er selbst schon losprustet, zuckt beim anderen der Mundwinkel gerade mal einen Mikrometer nach oben. Ungefähr so, wie wenn der schrullige Onkel an den Feiertagen wieder seine Geschichten von früher erzählt hat. Aber das ist ein anderes Thema.

Humor. Das wird ein Thema dieser neuen Rubrik sein, die wir Freischnauze getauft haben. Getreu dem Motto: frei der Schnauze nach. Wobei weiter Zweibeiner diese Zeilen hier tippen, weder Vier- noch Nullbeiner ... Notiz an mich selbst: Bitte mal googeln, ob eine KI wirklich keine Beine hat.

Bei Humor wird es aber nicht bleiben. Es wird bei Freischnauze um Dinge aus dem Leben gehen, die viele kennen, manche vielleicht bald erleben werden und anderen neue Erkenntnisse vermittelt. Das können Anekdoten aus dem Alltag, Fundstücke aus der Freistunde, Geschichten mit Gefühl oder Texte voller Thesen sein.

Alles sorgfältig, ansprechend und persönlich geschrieben. Dazu jede Woche anders und neu. Denn es lacht nicht nur jeder anders, jeder nimmt auch Texte anders wahr. Wir wollen übertreiben, wir wollen kritisieren, wir wollen unterhalten und wir wollen berühren. Nicht, bis einer heult. Sondern im besten Fall bis einer schmunzelt. Mehr als ein Mikrometer. Schauen wir mal, wie lange das dauert.

Ideen für die Rubrik, Lust, auch mal was zur Freistunde beizusteuern oder der Redaktion ordentlich die Meinung zu geigen? Dann einfach hier entlang: kontakt@freistunde.de